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Christian Gerber: «Ich bin abhängig vom Goodwill meiner Abnehmer!»

Christian Gerber baut trotz fehlendem Grenzschutz Peperoni an. Er vermarktet sie erfolgreich als Nischenprodukt im Bio-Segment der beiden Grossverteiler. Seine Peperoni kosten rund fünf Mal mehr als konventionelle Importware. 

Christian Gerber besitzt über 3500 Ferraris. Beim Gemüseproduzenten aus Fehraltorf stehen sie aber nicht in der Garage sondern im Gewächshaus. Nur die Farbe hat die Peperoni-Sorte gemeinsam mit ihrem berühmteren Namensvetter. Trotzdem: Unter Peperoni-Produzenten ist «Ferrari» ein Begriff, sie zählt zu den am häufigsten verwendeten Sorten. Obwohl Peperoni zu den Top Five der in der Schweiz konsumierten Gemüse zählen, kommen nur die wenigsten aus heimischer Produktion. Die Kultur geniesst keinen Grenzschutz und fällt deshalb bei vielen Produzenten aus den Traktanden.
Nicht so bei Christian Gerber. Seit 15 Jahren – damals noch gemeinsam mit seinem Vater –, wachsen bei ihm in Fehraltorf Bio-Peperoni. Mittlerweile sogar fast ausschliesslich. Denn seit diesem Jahr baut er erstmals keine Tomaten und Gurken mehr an: «Die Ertragsunterschiede von meinen alten im Vergleich zu neuen Gewächshäusern wurden immer grösser» Deshalb setzt er dort noch mehr auf den Anbau der grünen, gelben und roten Peperoni. Sie sind nicht so arbeitsintensiv, werden weniger hoch und vor allem profitiert Gerber von relativ stabilen Preisen. Der Peperoni-Produzent geniesst dabei ein klassisches Nischendasein im Hochpreissegment: «Es gibt genug Kundschaft, die bereit ist, für Schweizer Bio-Peperoni bis zu zwölf Franken pro Kilogramm zu bezahlen.» Selbst wenn gleich nebenan das Kilo aus Holland oder Spanien für 2.50 angeboten würden. Mit diesen Preisen könnte er nie mithalten, so Gerber. Der fehlende Grenzschutz ist deshalb trotz allem ein Risiko für ihn: «Ich bin abhängig vom Goodwill meiner Abnehmer.» Und das sind vor allem die beiden Grossverteiler.

Intensive erste Monate

«In den ersten drei Monaten von März bis Mai ist der Arbeitsaufwand in der Kultur jeweils am höchsten, wenn nach dem Setzen drei Triebe pro Peperoni-Pflanze an Schnüren geclipt werden müssen», sagt Gewächshaus-Leiter Michael Göbel. Bei über 30 000 Setzlingen braucht das seine Zeit. Dank dem gestaffelten Pflanzen der Setzlinge könne der Markt bis im November bedarfsgerechter versorgt werden. Allerdings fehle es in den Monaten vor den Sommerferien trotzdem oft an genug einheimischer Ware, so Göbel. Danach könne die Nachfrage aber gut befriedigt werden.

Schlupfwespen gegen Blattläuse 

Sind die Pflanzen einmal richtig im Saft, sinkt der Arbeitsaufwand nach den ersten Wochen deutlich: «Alle drei bis fünf Tage geht jemand durch die Reihen und schneidet die reifen Früchte ab.» Danach werden sie entweder direkt ausgeliefert, abgepackt oder in den Kühlraum gebracht. Göbel beobachtet die Bestände nach Krankheiten und Schädlingen und sorgt für die richtige Nährstoffversorgung. Grauschimmel oder die Korkwurzelkrankheit komme relativ häufig vor. Bei letzterer helfe eigentlich nur das Dämpfen des Bodens nach dem Ende der Kultur im Herbst. «Bei den Schädlingen sind vor allem Blattläuse ein Problem.» Mit Schlupfwespen habe man diese aber einigermassen im Griff. Zur Nährstoffversorgung mit Stickstoff verwendet Peperonifachmann Göbel Biosol als Grunddünger und zur Nachdüngung über die Tröpfchen-Bewässerung das flüssige Trapper. Zudem habe Peperoni einen relativ hohen Bedarf an Kaliumsulfat.

Versuche mit unveredelten Sorten

Die verwendeten Hauptsorten sind Ferrari und DRP 7044 bei den roten sowie Score bei den gelben Peperoni. Beide sind zuerst grün, bevor sie ihre Endfarbe entwickeln. «Die grünen Peperoni sind aber bei der Kundschaft weniger beliebt», sagt Gerber. Zusammen mit dem Gewächshausleiter probiert er laufend neue Sorten aus.
In diesem Jahr führt Göbel zudem ein Versuch mit unveredelten Setzlingen durch: «Wir wollen sehen, ob sich die teuren Setzlinge auf Unterlagen auch wirklich auszahlen.» Pro Quadratmeter peilen die beiden einen Ertrag von zehn Kilogramm Peperoni an. Auf der aktuellen Anbaufläche von 13 500 m2 wären das Ende Jahr rund 130 Tonnen. Damit deckt er mehr als die Hälfte der Schweizer Produktion ab (laut SZG im letzten Jahr total 240 Tonnen). Im Vergleich mit den über 30 000 Tonnen importierter Ware ist das zwar ein Klacks, – oder eben eine Nische. Für die Gerber Bio Greens AG sind die Peperoni aber auf jeden Fall neben den Freilandsalaten, Brokkoli und Nüsslisalat zur wichtigen Grösse geworden.

www.gerber.ch

Veröffentlicht in Blog

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